Handystrahlung: Gespräche kommen 20 Jahre zu spät
Montag, Juni 1, 2009Während sich die französische Regierung noch über den bei den Rundtischgesprächen („Grenelle des ondes“) beschlossen „Kurs“ freut, feiert das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BFS) in dieser Woche sein 20-jähriges Bestehen. Das 1989 gegründete BFS sollte sich in erster Linie mit ionisierender Strahlung und deren Einfluss auf die Gesundheit beschäftigen. Aber auch die Erforschung der Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern und Mobilfunkstrahlung auf die Gesundheit gehört zu seinen Aufgaben. Fast die Hälfte der 500 Mitarbeiter der Bundesbehörde sind Wissenschaftler. Die öffentliche Verwaltung verfügt über ein Jahresbudget von 165 Millionen Euro.
2002 hat das BFS ein ehrgeiziges Forschungsprogramm über die Folgen von Mobilfunkstrahlung ins Leben gerufen, das die aktuelle Situation vollständig, genau und objektiv beurteilten soll. Insgesamt standen 17 Millionen Euro zur Verfügung, wobei auch die Telekommunikationsunternehmen einen Teil des Geldes beisteuerten. „Trotz dieser anteiligen Finanzierung hatten die Mobilfunkbetreiber kein Mitspracherecht bei der Auswahl der Forschungsprojekte oder bei der Auswertung der Forschungsergebnisse“, so die Behörde.
Das im vergangenen Jahr veröffentliche Ergebnis der großangelegten Studie besagt, dass es keine Beweise für die Gefährdung durch elektromagnetische Felder gebe, wenn die in Deutschland geltenden Grenzwerte nicht überschritten würden. Dennoch hätten Wiederholungsstudien gezeigt, dass es auch im zulässigen Bereich zu biologischen Veränderungen kommen könne, die möglicherweise zu Gesundheitsbelastungen führten.
Die Forscher stellten beispielsweise wiederholt Wahrnehmungs- und Schlafstörungen fest und stießen auf das Phänomen der Elektrosensibilität. Darüber hinaus beschäftigten sie sich mit den Auswirkungen dauerhaft erhöhter Temperaturen auf die Zellen sowie unser Erbgut und stellten die Hypothese auf, dass die Strahlung die Genexpression verändern und sogar stören kann. Die sechsjährige interdisziplinäre Forschungsarbeit dient in Deutschland als Grundlage für politische Entscheidungen zum Thema.
Anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Bundesamtes für Strahlenschutz werden am Samstag die Tore des Hauptsitzes in Salzgitter für Besucher geöffnet. Diese können dort die Strahlung ihres Mobiltelefons messen.

