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Posts Tagged ‘Architektur’

Berlin inspirierte auch Le Corbusier

Sonntag, August 2, 2009

Als Le Corbusier in Frankreich die Pläne für seine „Wohnmaschinen“ zeichnete, hatte er gewiss das Bild einer deutschen Fabrik im Kopf. Dass der schweizerische Architekt und Stadtplaners seine Inspirationen zum Teil aus Deutschland bezog, habe ich in der Ausstellung entdeckt, die Le Corbusier derzeit in Berlin gewidmet ist, wo ich mich einige Tage aufhalte. Und gleich fühlte ich mich an den Besuch von „Xenius“ in der Cité Radieuse in Marseille erinnert, die natürlich auch in der Berliner Schau dokumentiert wird.

Am Anfang seiner Laufbahn unternahm Le Corbusier 1910 eine Studienreise nach Berlin und besuchte dort unter anderem die Werkstatt von Peter Behrens, dem Pionier des Industriedesigns.

In der Ausstellung wird deutlich, dass diese Entdeckung großen Einfluss auf Le Corbusier hatte (wie im Übrigen sein Aufsatz „Etude sur le mouvement d’art décoratif en Allemagne“ belegt). Die deutsche Architektur hat ihn sein ganzes Leben hindurch stark inspiriert. Doch wie der Kurator der Ausstellung nüchtern feststellt, sprach Le Corbusier darüber aufgrund seiner ideologischen Nähe zu Frankreich kaum.

Le Corbusier unterhielt enge Beziehungen zu deutschen Kollegen wie Ludwig Mies van der Rohe und Walter Gropius, die wie er zu den Mitbegründern der modernen Architektur zählen. So kann man also durchaus sagen, dass Le Corbusier auch ein Pionier des künstlerischen und wissenschaftlichen Dialogs zwischen Frankreich und Deutschland war.

Stadtplanung

Dienstag, März 24, 2009

Für die Sendung über Stadtplanung sind wir viel durch die organisch gewachsene Altstadt Marseilles geschlendert. Gewohnt aber haben wir in der Moderne, in der legendären Cité Radieuse. Wir haben somit am eigenen Leib recherchiert, und das länger, als uns lieb war: Ganze 12 Tage lang, also für die Dauer des ganzen Drehblocks, war das Team im legendären Le Corbusier-Haus untergebracht. Diese 1947 gebaute Wohneinheit ist ein stahlbetongewordener Architekten-Fiebertraum, gelandet in der Neustadt wie ein verirrtes UFO.

Unsere Zimmer glichen denn auch mehr einer Raumkapsel als einer Hoteleinrichtung - sie waren so funktional, dass wir meinten, wir müssten ebenfalls uns bis zur Grafik herunter hungern, um in die strenge Konstruktion hineinzupassen. Auch durch die schmalen, dunklen Gänge kam man nur seitwärts und unter Luft-Anhalten. Doch zum Glück stapelten sich über und unter uns die Fluchtwege: Bücherei im zweiten Stock, Wäscherei im Siebten, das Fitnessstudio unter dem maroden Dach. Statt sich auf den mühseligen Weg bis ins Stadtzentrum zu machen, kann man in der Cité Radieuse alles übereinander machen.
Eine vertikale Stadt, effizient, durchdacht und volksnah, auf allen Breitengraden leicht nachzubauen. Somit war Le Corbusier ganz Avantgarde und Wegbereiter der Plattenbauten, die heute das vornehmlich ostdeutsche Stadtbild prägen.

Ob sich die Stasi auch davon inspirieren ließ? Dies sei dahingestellt. Doch eins ist gewiss: Die Beschaffenheit der Wände unserer Hotelzimmer wären ein Fest für alle Informellen Mitarbeiter gewesen – so dünn und informativ, dass sich alle Abhörsysteme und Wanzen erübrigten. Meine Zimmernachbarin und ich sind uns in dieser Zeit sehr nah gekommen. Nicht wahr, Annette?