Berlin inspirierte auch Le Corbusier
Sonntag, August 2, 2009Als Le Corbusier in Frankreich die Pläne für seine „Wohnmaschinen“ zeichnete, hatte er gewiss das Bild einer deutschen Fabrik im Kopf. Dass der schweizerische Architekt und Stadtplaners seine Inspirationen zum Teil aus Deutschland bezog, habe ich in der Ausstellung entdeckt, die Le Corbusier derzeit in Berlin gewidmet ist, wo ich mich einige Tage aufhalte. Und gleich fühlte ich mich an den Besuch von „Xenius“ in der Cité Radieuse in Marseille erinnert, die natürlich auch in der Berliner Schau dokumentiert wird.
Am Anfang seiner Laufbahn unternahm Le Corbusier 1910 eine Studienreise nach Berlin und besuchte dort unter anderem die Werkstatt von Peter Behrens, dem Pionier des Industriedesigns.
In der Ausstellung wird deutlich, dass diese Entdeckung großen Einfluss auf Le Corbusier hatte (wie im Übrigen sein Aufsatz „Etude sur le mouvement d’art décoratif en Allemagne“ belegt). Die deutsche Architektur hat ihn sein ganzes Leben hindurch stark inspiriert. Doch wie der Kurator der Ausstellung nüchtern feststellt, sprach Le Corbusier darüber aufgrund seiner ideologischen Nähe zu Frankreich kaum.
Le Corbusier unterhielt enge Beziehungen zu deutschen Kollegen wie Ludwig Mies van der Rohe und Walter Gropius, die wie er zu den Mitbegründern der modernen Architektur zählen. So kann man also durchaus sagen, dass Le Corbusier auch ein Pionier des künstlerischen und wissenschaftlichen Dialogs zwischen Frankreich und Deutschland war.



