Denn wenn et Trömmelche jeiht, dann stonn mer all parat,
un mer trecken durch de Stadt un jeder hätt jesaat.
Kölle Alaaf, Alaaf, Kölle Alaaf!
Die Karnevalshochburgen sind wahrscheinlich die einzigen Orte in Deutschland, in denen noch regionales Liedgut gepflegt wird. Oder überhaupt ein eigenes Liedgut.
Nehmen wir Köln, die Hauptstadt des deutschen Karnevals. Auf dem einen Photo sieht man mich in karnevalistischer Tarnung. Auf dem anderen Photo sieht man mich zivil, kurz bevor ich eine Veranstaltung in Köln moderiere. Um mich herum steht ein Berg von Kölner Urgestein: “De Bläck Föös”. Diese Band hat gefühlte 3000 Karnevalslieder herausgebracht.
Es gibt noch weitere Karnevalskünstler, wie “De Höhner”, “BAP”, „De Räuber“, und jeder im Rheinland kennt ihre Texte. In der karnevalistischen Liederlandschaft ist das Themenspektrum weitreichend. Es kann um “Pänz, Pänz, Pänz” gehen, was auf Kölsch so viel heißt wie: “Kinder, Kinder, Kinder.” Oder um “Dat Wasser vun Kölle”, das Wasser von Köln, denn “dat is jot”, das ist gut. So einfach ist das. Oder es geht um touristische Sehenswürdigkeiten. Bzw. um die einzige Kölner Sehenswürdigkeit.
In Köln kann man hier durchaus im Singular sprechen: “Wir lassen den Dom in Köln, denn da gehört er hin. Was soll er auch woanders, das hätt’ ja keinen Sinn.”
Man kann sich auch eingehender mit den Vorzügen von korpulenten Frauen auseinandersetzen:
Dicke Mädchen können besser singen , weil ihre Körper einfach besser klingen.
Dicke Mädchen sind die idealen,
selbst Rubens wollte keine andren malen.
Dicke Mädchen haben schöne Namen,
heißen Tosca, Rosa, oder Carmen .
Dicke Mädchen machen mich verrückt, dicke Mädchen hat der Himmel geschickt!
Oft werden einzelne Veedel besungen, also einzelne Kölner Stadtteile. Wobei es egal ist, welcher Stadtteil gemeint ist. Hauptsache, man hält dort zusammen.
Wat och passeht,
dat eine is doch klar,
dat schönste wat mer hann,
schon all die Lange Johr,
is unser Veedel,
denn he hällt ma zesamme,
ejaal wat och passet,
in unsrem Veedel.
Gern gesehene Nebenwirkungen der Kölschen Lieder ist das gemeinschaftliche Erklimmen der Holzbänke, um mit dem Nebenmann zu schunkeln. Gut, bierselige Menschen, die sich einhaken und dabei langsam von links nach rechts schaukeln, das kennen wir auch vom Münchner Oktoberfest. In beiden Fällen ist es kein besonders eleganter Anblick. Aber in Deutschland ist dies vielleicht die größtmögliche Bekundung von herzlicher Zuneigung im öffentlichen Raum.
Drink doch ene met,
stell dich nit esu ann,
du stehs he die janze Zick erüm.
Hässt du och kei Jeld,
dat is janz ejal,
drink doch met unn kümmer disch net drümm.
Ich beneide Köln um seine Lieder. Wenn der Ort, an dem man aufgewachsen ist, eine Melodie hat, die jeder kennt, dann ist das ein sehr identitätsstiftendes Element.
Da simmer dabei ! Dat is prima! VIVA COLONIA!
Wir lieben das Leben, die Liebe und die Lust
Wir glauben an den lieben Gott und ham auch immer Durst.
Eines haben all diese Musikstücke gemeinsam: Jedes Karnevalslied ist ein Liebeslied an Köln. Was besonders anrührt, wenn man bedenkt, wie hässlich diese Stadt eigentlich ist.
Du hast den Krieg fast mit dem Leben bezahlt, doch sie haben dich wieder aufgestellt.
Hey Köln, Du meine Stadt am Ring, da, wo ich großgeworden bin,
Du bist eine Stadt mit Herz und Seel’,
hey Köln, Du bist ein Gefühl.